Fotos: W. Broemser
Bauspiele, Bahnhof Rolandseck
Architekt: Joachim Manz (Bremen)
Bauzeit: seit den 1990er Jahren
Gehäuse für das Nichts

Vertrackte Miniatur-Architekturen von Joachim Manz sind derzeit im   
Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu entdecken. Der viel gerühmte
Museumsneubau von Richard Meier feiert fünften Geburtstag; da    
er ebenso wie der klassizistische Bahnhof herausragende Baukunst
darstellt, steht Rolandseck dieses Jahr im Zeichen der auch künst-
lerisch simulierten Architektur.

Nicht zum Wohnen geeignet

Die Ausstellung "Bauspiele" des Bremer Künstlers ist ein paradoxer
Geburtstagsgruß. Zum Wohnen sind sie nicht da, die Pavillons und
Bungalows, die Villen, Häuser an der Bahn und säulengeschmückten
Prachtbauten, auch wenn sie aus vertrauten Materialien wie Beton,
Glas oder Ziegeln bestehen. Die Objekte ruhen auf Metallständern,
hängen an der Wand oder sind in Hohlräume der Wand eingelassen,
aus der sie sich, tippt man dagegen, herausdrehen. Zusammen bilden
sie eine Geisterstadt voll vager Reminiszenzen an "echte" Architektur,
eine kleinmaßstäbliche Fake Town. 
Architekturen // Bauspiele
"Yippie, jetzt upgraden wir unsere Höhlen!"
"Baumhaus - Bungalow - bingo!"
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"...in einem Architekten-haus wohnen!"
"Wir wollten schon immer..."
Eine apokalyptische Aura

Die skurrilen Gehäuse sind "keine Modelle für reale oder utopische
Gebäude" (Manz). Sie simulieren eine gänzlich unreale Architektur,
treiben ein zweckfreies Spiel mit dem, was sonst gänzlich zweck-
gebunden ist. Doch zugleich entfalten sie eine eminent apokalyp-
tische Aura, muten wie ein modernes, gattungsgeschichtliches
Memento mori an.
Von Menschen entleerte Welt

Ein unproportional großer Swimmingpool, an dem das Haus wie ein
Adlerhorst klebt, ein verwaister Platz, auf dem noch die Laternen
brennen, ein Baumhaus unterhalb einer Autobahn ohne Autos -
diese unbewohnte  Welt mit allen Insignien der Zivilisation wirkt  
wie ein Vorgriff auf eine menschenleere Zukunft nach dem plane-
taren Super-Gau, dem Kollaps des Anthropozäns. In ihr haben sich
die Bauwerke in etwas Fremdes verwandelt, in artifizielle Natur,
naturhafte Artefakte. Das Irreale einer simulierten, nicht nutzbaren
Architektur wird zur Metapher für die Irrealität einer nicht mehr
genutzten Architektur nach dem Tod des Menschen. Diese Bauspiele
sind keine Spielerei, sondern Endspiele.