Fotos: W. Broemser
Bürohaus Dockland, Hamburg
Architekten: Bothe, Richter, Teherani (Hamburg)
Bauzeit: 2004-2006
Architekturen // Büroimmobilie
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Eine Immobilie, die mobil macht
"Hamburg ahoi! Wäre Wasser trocken, wären wir die größten Wasserratten."
"Dann würden wir sogar der 'Queen Mary' davonkraulen- mobiles first!"
Stadttor mit langem Bug

Wie ein "Tor zur Stadt Hamburg" (Hadi Teherani) erhebt sich das
gläserne Parallelogramm des preisgekrönten Neubaus am Altonaer
Elbufer. Ein 40 Meter langer Bug kragt in einem Winkel von 26 Grad frei
aus und gibt dem Gebäude die Anmutung eines Schiffes, das permanent
in See sticht. Eine Konstruktion aus Stahlrahmen trägt das Haus, für
dessen Bau eigens Sand am Ufer der Norderelbe aufgeschüttet werden
musste. Die verglaste Fassade erlaubt einen grandiosen Ausblick auf das
Hafenpanorama. Besucher gelangen über eine doppelte Freitreppe am
Heck zu der öffentlich zugänglichen Dachterrasse.
Let´s dance - Hadi Teherani lockert Bürohäusern die Glieder.
*) "Dynamismus" heißt der Architekturstil, der Gebäude schafft, die (aus der Reihe) tanzen,
irgendwie nicht stillhalten wollen. Die so lebendig wirken, dass der Ausdruck "Lebenszyklus"  
für Immobilien plötzlich mit, pardon, Leben erfüllt wird. Zaha Hadids Wissenschaftsmuseum
phaeno ist so ein unruhiger Zeitgenosse, oder Delugan Meissls Porsche-Museum, Hadi
Teheranis Tanzende Türme an der Reeperbahn sowieso, und Günther Domenigs Büro-
Lindwurm, das T-Center in Wien, wirkt fast furchteinflößend mit seinem unbändigen Drang
nach Bewegung. Planer sitzen viel und starren viel (auf den Computer). Einige halten das
offenbar nicht aus; sie bringen die ersehnte Mobilität einfach ihren Entwürfen bei. Moderne
Software macht ja fast alles (Un-)Mögliche mit... Kreativ "bewegte" Architektur ist aber kein
eitler Selbstzweck. Im Idealfall steckt sie die Nutzer an, macht auch sie kreativ und geistig
beweglich. Und  verleitet eher zur Identifikation mit dem Arbeitsort als architektonische
08/15-Ware.
Keine Holzklasse - der neue Holzhafen

"Die Breite des Hauses ermöglicht es, Kommunikationszonen wie Tee-
küchen oder Besprechungsräume im Mittelbereich anzusiedeln, ebenso
Archive und Druckerräume. Die offenen Flächen mit frei eingestelltem
Mobiliar schaffen eine großzügige Umgebung zum Arbeiten" (Teherani). 

Das Dockland fügt sich in einen Reigen neu errichteter Wohn- und
Büroimmobilien (Hanse Gate, Columbia Twins, Elbdeck, Elbkaihaus),   
die das Gelände am Altonaer Fischereihafen zu einem architektonischen
Hotspot Hamburgs machen - neben der Hafencity und dem lange ver-
nachlässigten Harburger Binnenhafen ("Channel Harburg"). 

Einheimische unter sich

Das schleppende Tempo, mit dem all diese Projekte - beileibe nicht    
nur die Elbphilharmonie! - realisiert werden, zeigt allerdings die Pro-
vinzialität des Hamburger bzw. deutschen Immobilienmarktes. Zu viel
Regulierung, zu wenig Rendite, folglich zu wenige kapitalstarke und
internationale Investoren lassen Deutschland im eigenen Saft schmoren
(in Hamburg sind fast ausschließlich Hamburger Bauherren am Werk).
Gewiss hat die Provinzialität auch ihr Gutes: Nach wie vor sind die    
Mieten in Deutschland nur Mittelmaß, allerdings auch die Architektur.
"Ready for take off" - gilt bisher eher für Flieger auf dem Airport Knuffingen als für die sterile Hafencity.  
Arbeiten und dabei über dem Wasser schweben, das geht hierzulande
wohl am besten in Hamburg, dem Tor zur Welt, das leider architek-
tonisch nicht immer die große Welt ist - siehe die Elefantenparade der
eintönigen Solitäre in der Hafencity, wo auch Wohnhäuser aussehen
wie Bürokästen, wo Hochhäuser zum Schutz der Kirchturm-Silhouette
nicht (zu) hoch sein dürfen und daher keine Proportion haben. Alles in
diesem Neubauviertel wirkt orthogonal und steif, auch bauökologisch
wenig ambitioniert im Vergleich etwa zum Royal Seaport in Stockholm.
Das Dockland zwei Kilometer weiter westlich zeigt dagegen, was
möglich ist an maritim inspiriertem Bauen: Hier wird einer Immobilie
Bewegung eingehaucht, hier bekennt sich die mutlose Hansestadt
einmal zum Spektakel.*
"Hamburg bräuchte höhere Wohn- und Gewerbegebäude, wenn schon nicht direkt im Zentrum, dann doch wenigstens an der Peripherie der Innenstadt wie an den Elbbrücken, an den Ausläufern der Hafencity... Das würde Hamburg viel Aufmerk-samkeit bringen."                       
              
  Andreas Wende, Savills