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Fotos: W. Broemser
Forum Confluentes, Koblenz
Planung: Benthem Crouwel (Aachen/Amsterdam)
Bauzeit: 2011-2013
Architekturen // Kulturzentrum
Richard Tauber: Die Lorelei
> Zu hören im Romanticum
George Clarkson Stanfield:
Moselbrücke Koblenz, gemalt 1873
> Zu sehen im Mittelrhein-Museum
Latein ist eine altehrwürdige Sprache...

...aber für die Bezeichnung einer öffentlichen Institution, auch in der Römergründung Koblenz, nur bedingt tauglich
- "Forum Confluentes" muss zu sehr erklärt werden. Warum nicht "Kulturhaus Zweistromland"? (Diesen Vorschlag reichte der Autor erfolglos bei einem Wettbewerb der Stadt zur Namensfindung ein.)
"Wozu brauchen Menschen eigentlich Kulturzentren, Bruder?"
Fischpass
Bauspiele
Militärhistorisches Museum
Schlosshotel
Schiefermahlwerk + Kulturhaus
Universitätscampus
Evangelische Freikirche
Grimm-Zentrum
Regionale Schule
Bürohaus Dockland
Vinothek
Neue Synagoge
Hummerich-Halle
Food Hotel
Forum Confluentes
Mehrgenerationenhaus
Steinskulpturen-Museum
Lava Dome
Glashaus
"Um mit Aufzügen aufs Dach zu fahren. Es geht ihnen nur ums Dach, Alter."
Kultur in R(h-)einformat
"Da oben sehen die Koblenzer endlich, wie hässlich ihre Stadt ist!" 
                         
Unverschämtes Graffito im Panorama-Aufzug des Forums
Der neue Kulturbau der Stadt Koblenz haucht gemeinsam mit    
dem Mittelrhein-Forum, einem Shopping-Center, dem viele Jahre
brachliegenden Zentralplatz der Stadt wieder Leben ein. Der mit
einer Außenhülle aus weiß siebbedrucktem Glas versehene Solitär
bündelt die kommunalen Kultureinrichtungen unter einem Dach:
das Mittelrhein-Museum - eines der ältesten bürgerlichen Museen
Deutschlands -, die Stadtbibliothek und die Tourist-Information mit
dem Romanticum. Der Name des Renommierbaus, "Forum Con-
fluentes", wurde in einem Bürgerwettbewerb ermittelt. Er verweist
auf Rhein und Mosel, die am Deutschen Eck zusammenfließen.
Ein gigantischer Lichthof

Die drei Einrichtungen empfangen den Besucher mit ihren
Auftaktbereichen im Foyer des Forums, in dem ein dreißig Meter
hoher Lichthof seinen Anfang nimmt. Durch den gemeinsamen
Auftritt wollen die Häuser sich gegenseitig Kundschaft zuspielen.  
Im ersten Obergeschoss werden die Bestände des Museums erst-
mals umfassend präsentiert. Das zweite bis fünfte Obergeschoss
beherbergt die Stadtbibliothek. Hier sorgt der immense, durch alle
Geschosse reichende Luftraum und die Belichtung durch das Glas-
dach für einen Wow-Effekt. Ein Panorama-Aufzug befördert die
Gäste auf die Dachterrasse des Gebäudes, die einen Blick über     
die ganze Stadt eröffnet. Im Untergeschoss sind das Romanticum,   
Räume für Wechselausstellungen und die Archive des Museums
untergebracht.
Fels in der Strömung

Dank seinem dreieckigen Grundriss fügt sich der Kulturbau geschickt
in die beengte westliche Ecke des Platzes ein. Gemeinsam mit dem
Einkaufszentrum soll er die Fußgängerströme lenken, von diesen
umspült und "abgeschliffen" werden wie ein Fels in der Strömung.
Der Vernetzung mit der Umwelt dienen Ausgänge zum neuen
(verkleinerten) Zentralplatz, der Clemensstraße und dem neu
geschaffenen Trichterplatz. Dieser bildet eine Engstelle zwischen
Kultur- und Einkaufszentrum, die verbirgt, was hinter der Kurve
kommt, nämlich der Übergang zur Koblenzer Altstadt. Indem die
beiden Neubauten Wegbeziehungen schaffen und zugleich Blick-
beziehungen verstellen, erzeugen sie eine reizvolle Spannung.
Architektur als Marketing-Instrument

Kritiker werfen dem 90 Millionen Euro teuren Neubau Gigan-
tomanie und fehlende Maßstäblichkeit vor. Und damit haben sie
weißgott nicht Unrecht. Denn der an einen veredelten Hochbunker
erinnernde Riegel wirkt unharmonisch, gleichzeitig (viel) zu hoch
und (viel) zu breit. Seine festungsartige Fassade schüchtert eher  
ein als einladend zu wirken. Hinter der Hülle verbergen sich über
100.000 Kubikmeter umbauter Raum, aber nur 12.000 Quadrat-
meter Nutzfläche. Dieser Bildungspalast ist zugleich eine auf-
gedonnerte "Luftnummer". Durch einen weniger großen Lichthof
hätte man eine komplette Etage und jede Menge Kosten einsparen
können. Doch das hoch verschuldete Koblenz will sein Image als
Behörden- und Bundeswehrstadt abstreifen, will kulturbeflissene
Neubürger und Touristen anlocken - mittels Event-Architektur,
einem "weichen" Standortfaktor mit erheblichem Konfliktpotenzial.
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