"Der Kreis galt als die edelste und vollkommenste architektonische Form" (R. Schlenker).
Die schönsten Beispiele - auf der Erde - liefern die Rotunde des Pantheons in Rom, der Kuppelsaal der Villa Rotonda von Andrea Palladio oder berühmte Kirchenkuppeln (Petersdom, Dom in Florenz, Dresdner Frauenkirche).
Frau Luna - magische Architektur am Himmel
© Luc Viatour
...als hätte ein Grand Designer seine Gestaltbildung künstlerisch überwacht. Wegen seiner Nähe zur Erde ist der Mond der einzige Himmelskörper, dessen Oberfläche wir mit bloßem Auge erkennen können. Hoch steht er, aber nicht zu hoch - scheinbar direkt hinter den Wolken -, rund ist er und leuchtet in einem entrückten Silbergrau - so übt er auf die Menschen seit jeher, dank seiner Form, eine magische Anziehungskraft aus. Zum Mond lässt sich aufblicken, da er nicht blendet wie die Sonne, edel wirkt er, wegen seiner Farbe, und trotzdem ist er der treue Kamerad, der uns immer begleitet. Ungeachtet seiner kalten Ausstrahlung weckt er in uns warme Gefühle. Das Hohe, Runde, Leuchtende verzaubert den Betrachter - könnte so nicht auch unser Leben sein, erhöht, rund und leuchtend? Die Schönheit der Dinge wirkt wie ein Versprechen, dass auch das eigene Geschick einmal gelingen möge. Nicht zufällig wird der Erdtrabant als Führer in der Finsternis beschworen, als Kraftquelle meditativer Versenkung, die einen rüstet für den Tag.
© Luc Viatour
Schnitt: My home is my castle - even on the moon!
Oder: gerade auf dem Mond. Zum Zweck der Lebenserhaltung und Gesundheit. Denn wer auf dem "poetischen" Mond zukünftig wohnt und arbeitet, wird am eigenen Leib erfahren: Dieses Gestirn ist verdammt lebensfeindlich!

Der Mensch auf dem Mond dürfte eine andere Sicht auf den Erdtrabanten haben als der Mensch auf der Erde. Sie wird nicht von Andacht, sondern von Ressourcenhunger geprägt sein. Der Kolonisator ist kein Poet, sondern ein Ausbeuter. Für die "schöne Architektur" des Mondes wird er nichts übrig haben. Dafür schafft er (Gebrauchs-)Architektur auf dem Mond - Immobilien für längere Aufenthalte. 

Denn bei künftigen Mondmissionen sollen sich irdische "Aliens" bis zu einem halben Jahr auf dem Gestirn häuslich niederlassen. Um mit Teleskopen so weit wie noch nie ins All zu blicken. Oder um Ausflüge auf den Mars vorzubereiten. Oder, und vor allem, um Frau Luna an die Wäsche zu gehen, sprich: Bodenschätze abzugreifen. Der Mond wird´s verkraften, auf ihm gibt es kein Leben. Und die Erde würde entlastet.
Die Grafik einer US-Mondbasis von 1995 zeigt ein lunares Bergwerk, das Sauerstoff aus dem Vulkanboden des Erdtrabanten fördert. In dem Abraum enthaltene Metalle wie Eisen, Aluminium, Magnesium und Titan könnten vor Ort in einem Hüttenwerk geschmolzen oder in Containern, von einem Massetreiber beschleunigt, zur Erde geschossen werden.                                                      © NASA                                 
"Auf dem Mond liegen die vielleicht begehrenswertesten Grundstücke des Sonnensystems." (P. M. Magazin 05/2010)
Die Oberfläches des Mondes enthält große Mengen mineralischer Rohstoffe, die für irdische Industrien wichtig sind. Besonders erpicht sind die Weltraumnationen auf das im Mondgestein enthaltene Helium-3, das sich als sauberer, nicht radioaktiver Energierohstoff für die Kernfusion eignet. "Ein paar Raumschiffladungen Helium-3 würden den globalen Strombedarf für ein Jahr decken" (P. M. Magazin 05/2010). Vorausgesetzt, der Mensch findet endlich den Dreh, einen Fusionsreaktor zu bauen.
Platzhirsche auf dem Mond sind die Amerikaner, die dem Trabanten bekanntlich als erste einen Besuch abstatteten (was nichts daran ändert, dass der Mond der gesamten Menschheit gehört). Sie wollen bis 2020 auf das Gestirn zurückkehren und ab 2024 eine permant bemannte Kolonie am lunaren Südpol unterhalten. Roboter sollen nach Helium, Phosphor und Uranium schürfen, unterirdische Wasser- und Sauerstoffvorkommen das Überleben der Mondbewohner sichern. Zum Schutz vor Strahlung und extremen Temperaturen werden die Astronauten in einem sogenannten Wohnhabitat leben: einer aufblasbaren, leichten, haltbaren und mobilen "Immobilie", die modulartig erweitert werden kann. Der britische Berufsvisionär Arthur C. Clarke (Namensgeber des Clarke Belt; Drehbuchautor von 2001 - Odyssee im Weltraum) beschrieb dieses Wohnkonzept schon vor Jahrzehnten.
Prototyp des aufblasbaren Mondhabitats der Nasa. Tunnel mit Luftschleusen verbinden die einzelnen Module.                                                                                                                                                          © NASA                                                                                                                                                                
"Ohne die blöde Erde könnte ich bis zum Mond hüpfen!"                                                                                                                                                                           
"Das Habitat der Think-big-Mission sieht zwar aus wie eine aufblasbare Hüpfburg für Kinder, hat es aber in sich: Es ist geheizt, isoliert, erzeugt seinen eigenen Innendruck und liefert den Bewohnern Strom. Mit immerhin gut 35 Quadratmetern Fläche und einer Deckenhöhe von zweieinhalb Metern am höchsten Punkt bietet es auch mehreren Astronauten Platz. Und es ist mobil: Das Habitat kann mehrfach abgebaut und wieder aufgestellt werden, vier Crewmitglieder brauchen gerade mal ein paar Stunden dafür. Damit erlaubt es die Erkundung auch über das ursprüngliche Landegebiet hinaus." (Scinexx. Das Wissensmagazin, 27.06.2008)
Parallelen zu lunaren Modulbauten bieten die "Smart Houses" und "Flying Spaces" auf der Erde: mobile Häuser für Singles und Paare, ursprünglich aus den USA stammend, die besonders von deutschen Fertighausherstellern stark optimiert wurden. Sie können jederzeit auf- und wieder abgebaut werden und ihren Besitzern hinterher reisen. Sie stehen für größtmögliche Autonomie und erleichtern eine auf ökonomischen Erfolg gedrillte, "wurzellose" Lebensführung. Sie sind das Gehäuse des unsentimentalen Abenteurers und Eroberers - auf der Erde und zukünftig auch jenseits von ihr? Mobile Immobilien bestärken jedenfalls eine nomadische Mentalität, die für immer mehr Menschen ein Auswandern auch ins All attraktiv machen könnte. Die Nasa fördert bereits private Firmen dabei, Technologien für bemannte Flüge ins All zu entwickeln. Irgendwann wird es also Umzugsfirmen geben, die ein weltraumtaugliches Smart House aus Mettmann oder München mitsamt den Bewohnern in das Mare Serenitatis auf dem Mond schießen. Die Space-Migranten haben dort ein Erbpacht-Grundstück von der UNO als formellem Mondbesitzer erworben, anfangs vielleicht noch mit jährlichem Rückgaberecht...
Schneckenhaus am Haken: Ein Kran stellt einen Wohnwürfel mit bodentiefen Fenstern und schicker Holzlamellen-Fassade ab. Das Zuhause irdischer "Astronauten" wird innerhalb eines Tages installiert und an sämtliche Leitungen angeschlossen (auf dem Mond geht es kaum schneller). Die Wohn- oder Büromodule können bausteinartig erweitert und gestapelt werden.                                                                          © SchwörerHaus                                                                                                                   
"Was bläst der Sonnenwind wieder so stark..."
Nichts ist unmöglich - Schweden sei Dank! Ein Künstler aus dem Ikea-Land hat ein rotes Mondhäuschen kreiert und für die Baukosten von 56 Millionen Euro zahlreiche Sponsoren gewonnen. Die Hütte besteht aus faltbarem Ultraleicht-Material, das sich nach der Landung zu voller Größe aufbläst und im UV-Licht der Sonne nachhärtet. In der Hütte soll ein Roboter sitzen und Experimente durchführen. Eine russische Trägerrakete könnte das zehn Quadratmeter große Ding ins All befördern. Und wenn dem Roboter der Hüttenzauber gefällt, dann vielleicht bald auch Menschen.
Underbart, Sverige!

Der Mann im Mond zeigt unverblümt, was er von einer Rückkehr der "Aliens" hält...       © Pitopia

Neue Wohntrends formen Astronauten
Auch der Mond ist eine scheinbar perfekte Rotunde...
"Think big"
Hüpfburg mit kleinen Extras
Hüttenzauber aus Bullerbü ?
Wohnst du noch terrestrisch oder lebst du schon lunar?
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An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud' und Schmerz
In der Einsamkeit.


Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd' ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!

Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

Johann Wolfgang von Goethe
"Rühmann, bäh! Der kommt nicht mit auf den Mond!"
"La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu, wenn die kleinen Babies schlafen - "
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Ludwg van Beethoven: Mondscheinsonate, 1. Satz