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Fotos: M. Herz, B. Eßling
Neue Synagoge, Mainz
Architekt: Manuel Herz (Basel/Köln)
Bauzeit: 2008-2010
Ein Gotteshaus aus Buchstaben

Mit dem Neubau der Synagoge hat die Jüdische Gemeinde in Mainz
ein neues Zentrum bekommen. Das Gebäude steht in der Hinden-
burgstraße* am Platz der alten Hauptsynagoge, die von den Nazis
am 9. November 1938 zerstört wurde. Die Architektur der Synagoge
ist außergewöhnlich und geprägt von religiösen Symbolen. Je nach
Blickwinkel und Lichteinfall ergibt sich für den Betrachter eine neue
Perspektive auf das Gebäude. Keine Wand steht in einem rechten 
Winkel zu einer anderen. Auf der Fassade sind Tausende blaugrüne
Keramik-Kacheln angebracht, die von unterschiedlich großen, schräg
angeordneten Fenstern durchbrochen werden.

Freie Formensprache à la Libeskind

Der Anblick der Synagoge ist gewöhnungsbedürftig - laut dem
Architekten ein gewollter Effekt: "Sie soll sich dem Betrachter nicht
auf den ersten Blick erschließen, das wäre banal." Und banal dürfe
eine Synagoge nicht sein. Nicht zufällig erinnert der metaphorisch-
expressive Bau mit seiner freien Formensprache an Daniel Libes-
kinds Jüdisches Museum in Berlin - Manuel Herz (Jahrgang 1969)  
ist ein Schüler des berühmten Architekten.

Gebauter Segensspruch

Die einzelnen Gebäudeteile bilden die fünf Buchstaben des
hebräischen Wortes "Kedusha" ("Segensspruch") skulptural nach.
Durch das Sprechen eines Segensspruches, etwa beim Verzehr von
Brot und Wein, wird ein weltlicher Gegenstand erhöht und ge-
heiligt. Dasselbe sollen auch die Mitglieder der Gemeinde in der
neuen Synagoge erfahren. Die Gebäudeabschnitte beherbergen
unterschiedliche Bereiche des Gemeindezentrums (Gebets- und
Veranstaltungssaal, Mikwe, Hebräischschule, koschere Küche,
Sozialdienst, Verwaltung etc.).
Architekturen // Synagoge
Das Lauschen auf Gott

Das nach Osten (Jerusalem) gerichtete, trichterförmige Dach des
Gebetssaales stellt ein Schofar dar. Das mythologische Widderhorn
wird zu den wichtigen Ereignissen im jüdischen Jahr geblasen und
ruft die Gemeinde zusammen. Es bringt den Ruf nach Gott, das
Lauschen auf Gott und das Empfangen des göttlichen Lichts und
Seiner Weisheit zum Ausdruck.

Im Inneren der Synagoge ist alles weiß, nur der Gottesdienstraum
glänzt goldfarben. An den Wänden sind Zehntausende Schriftzeichen
zu sehen, die sich an einigen Stellen zu lesbaren Texten fügen. Der
Versammlungsraum enthält rund 450 Plätze - dringend notwendig
für eine Gemeinde, die inzwischen auf mehr als 1000 Mitglieder - 
die meisten aus der ehemaligen Sowjetunion - angewachsen ist. 

Das neue Gemeindezentrum bietet ein vielfältiges kulturelles Pro-
gramm an, das auch Nichtjuden offensteht. Bei dieser Gelegenheit
lässt sich der komplexe Bau, zumindest in Teilen, besser erkunden
als an einem Tag der offenen Tür, wo sich Tausende Besucher auf die
Füße treten.                (SWR.de, Wikipedia, Jüdische Gemeinde Mainz)
Foto: ddp
"Erdmännchen und Religion? Sorry, wir sind der Erde verbunden, nicht dem Himmel - sonst hießen wir ja Himmelsmännchen."
* ) Reichspräsident Hindenburg ernannte 1933 Adolf Hitler zum Kanzler. Dieser ordnete bekanntlich einige Jahre später den Holocaust an. Wieso die Stadt Mainz, die ein Drittel der Baukosten der neuen Synagoge übernahm, nicht zugleich die Hindenburgstraße umbenennen konnte, erscheint völlig unverständlich (keine deutsche Schule lautet heute noch auf Hindenburg, also sollten auch die gleichnamigen Straßen verschwinden!). 




Die Leiden der Juden sind "nicht das Zentralthema dieser Synagoge. Sie ist mit einem Kindergarten, Jugend-räumen, Seniorentreffs und einem wunderschönen Garten dem (Gemeinde-)Leben gewidmet."
(Dieter Bartetzko, Frankfurter Allgemeine Zeitung)




"Bei der Architektur-Biennale in Venedig rief die Japanerin Kazujo Sejima jüngst die wichtigste Aufgabe von Architektur ins Gedächtnis: 'People meet in architecture', so ihr Motto. Diese Botschaft wurde aufgesaugt wie von einem Schwamm. Menschen begegnen sich an realen Orten am liebsten... Öffentliche Häuser, Straßen und Plätze müssen uns heraus aus den Kapseln, den Kokons locken, damit wir Menschen unter Menschen statt Fremde unter Fremden bleiben."

(Ursula Baus, Frankfurter Rundschau)




Architektur schafft Werte
- daran wird man beim Bau eines religiösen Zentrums besonders erinnert. Sakrale Bauwerke haben traditionell einen privilegierten Zugang zur sozialen (Gemeinschaft stiftenden) und psychologischen (aktivierenden) Kraft der Baukunst. Ambitionierte Profanarchitektur versucht immer, diese Kraft auf weltliches Bauen zu übertragen, den ökonomischen Wert um ideelle Werte zu ergänzen. Nur dann gibt Architektur ihr Bestes, nur dann kann sie auch Menschen, die in ihr leben und arbeiten, dazu anstacheln, ihr Bestes zu geben. Baukunst hat Hebammenfunktion: Menschen sind dort am produktivsten, wo auch Architektur am produktivsten ist, d. h. nicht nur nutzt, sondern repräsentiert: den, der sie nutzt und den, der sie schafft. Menschen muss das Gefühl vermittelt werden: Es geht um euch, ihr seid uns eine besondere architektonische Anstrengung wert. Gute Gebäude kümmern sich, wie gute Lehrer, um ihre "Schützlinge". 
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