Fotos: W. Broemser
Neues Augusteum und Paulinum, Leipzig
Architekt: Erick van Egeraat (Rotterdam)
Bauzeit: 2007-2012/14
"Moderner" Barock für Studis

In Leipzig ist dem holländischen Architekten Erick van Egeraat
die Quadratur des Kreises gelungen: Sein charismatischer
Neubau des Hauptgebäudes der Universität rekonstruiert in
moderner Formensprache die beiden Vorgängerbauten, die
gotische Universitätskirche St. Pauli und das gründerzeitliche
Augusteum. Das neue Augusteum nimmt die Fakultät für
Mathematik und Informatik, das Rechenzentrum und das
Auditorium Maximum auf. Das neue Paulinum enthält die Aula
und einen durch eine Schiebewand getrennten Andachtsraum
und wurde erst mit zweijähriger Verspätung fertiggestellt.      
Ein Grund für die Verzögerung war wohl, dass das Büro des
Architekten wegen der Finanzkrise von 2009 vorübergehend
Insolvenz anmelden musste.

Ein gebautes Paradox, das Halt gibt 

Der zerklüftete Komplex verleiht der Westseite des übergroßen
Augustusplatzes wieder eine Fassung. Ihm selbst geben Lisenen
oder lisenenförmig ausgebildete Stützen aus grauem Naturstein
ein paradoxes Gesicht: Das Flächige erscheint ornamental, das
Ornamentale flächig. Die Giebelseite der vom SED-Regime
gesprengten Kirche wird mit einem Rosen- und einem Spitz-
bogenfenster verfremdet wieder aufgeführt. Der Dachreiter der
alten Kirche thront nicht mehr auf dem First, sondern wächst
seitlich versetzt aus dem Dach empor. Abstrakt rekonstruiert
ersteht das alte Paulinum wieder auf und bildet erneut das
geistige und geistliche Zentrum der Universität.
Architekturen // Universitätscampus
"Höhepunkt des Neubaus wird zweifellos der Innenraum der Aula, der mit der Materialwahl von weißem Putz, Glas und Porzellanelementen eine helle und würdevolle Ausstrahlung erzeugt. Ich bin davon überzeugt, dass mit diesem Raum alle Diskussionen über das Befürworten oder Ablehnen des Wiederaufbaus der Kirche beendet werden und die Leipziger wieder froh sein können mit der Erinnerung an die Paulinerkirche."
       
Der Architekt Erick van Egeraat
Bild: van Egeraat
"Da möchte man glatt noch mal Student sein!"
"Kann es sein, dass du das schon mal gesagt hast, Bruder?"
Schloss Hogwarts am Augustusplatz

Die neue Aula gaukelt mit ihren Strebepfeilern, Spitzbogen-
fenstern und dem Netzgewölbe ein gotisches Kirchenschiff vor.
Auch weltliche Veranstaltungen finden also in einer Art Kirche
statt - für einen Auswärtigen ohne den Phantomschmerz des
verschwundenen Gotteshauses eine bizarre Vorstellung. Über
dem Kreuzrippengewölbe stapeln sich dann noch mehrere
Etagen mit Räumen für Mathematik- und Informatikstudenten.
Der sakrale Budenzauber mutet wie Fantasy-Architektur aus der
Welt von Harry Potter an. Die exzentrischen Bauanforderungen
haben einen Exzentriker wie van Egeraat offenbar zu Höchst-
leistungen angespornt. Er selbst nennt sein verquastes, nicht
geradliniges Bauen "modernen" Barock (der auch die Orna-
mente der Gotik einschließt). Und der passt nicht schlecht zu
einer Stadt, die vom "Barock" des 19. Jahrhunderts, der
Architektur der Gründerzeit, geprägt ist wie keine zweite in
Deutschland. Hier ist der Dekor willkommen - und sei er so
fakeartig und aus der Zeit gefallen wie bei Harry Potter. 
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Leibniz-Denkmal im Innenhof der Universität Foto: Ralf Julke
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