Günstige Miete & lebenslanges Wohnrecht

Trotz hochwertiger Ausstattung soll das Quartier auch für Normal-
verdiener erschwinglich sein. Wer einziehen möchte, muss Mitglied
der Genossenschaft werden und Anteile von 540 Euro/qm für eine
Wohnung und 340 Euro/qm für ein Reihenhaus zeichnen. Die
Wohneinheiten sind zwischen 46 und 91 qm groß; Standard ist eine
Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad (60,5 qm). Die Miete liegt
mit 5,40 Euro/qm etwa drei Euro unter dem lokalen Durchschnitt
und verringert sich bei Zuteilung einer Dividende noch weiter. In
den ersten 15 Jahren bleibt sie unverändert; außerdem besteht ein
lebenslanges Wohnrecht. Man wohnt zur Miete wie im Eigentum.

Zusammen wohnen, zusammen kochen

Der innenstadtnah gelegene Komplex ist voll vermietet, die Liste der
Wartenden lang. 67 Bewohner aus vier Generationen - das Durch-
schnittsalter beträgt 56 Jahre - erfüllen derzeit die Theorie des
gemeinschaftlichen Wohnens mit Leben. Und das treibt schöne
Blüten: Bewohner verfassten etwa ein Kochbuch mit Rezepten, die
die unterschiedliche Herkunft der Koch-Genossen widerspiegeln.
2012 wurde das Haus Preisträger beim Wettbewerb "Lebendige
Nachbarschaft in Rheinland-Pfalz". Die Landesregierung unterstützte
übrigens die Planung der Wohnanlage mit 12.000 Euro, um deren
Modellcharakter hervorzuheben.
Fotos: W. Broemser
Wohnprojekt Karolingerstraße, Andernach
Planung: Gesell, Kriescher + Partner (Andernach)
Bauzeit: 2005-2006/2008-2010
Innovatives Genossenschaftsprojekt

Bauherr des Andernacher Mehrgenerationenhauses war ein
gemeinnütziger Bauverein, der mit dem Projekt Neuland betrat.      
In einem ersten Bauabschnitt entstanden 23 Seniorenwohnungen,
später folgten zwölf weitere Wohnungen und acht Reihenhäuser für
junge Familien. Die altersgerecht eingerichteten Wohnungen werden
vertikal durch Treppen mit Aufzug erschlossen, horizontal durch
Laubengänge und außen liegende Haustüren - so sind alle Einheiten
barrierefrei zugänglich.

Die Reihenhäuser verfügen über zwei Geschosse, die Mehrparteien-
häuser über drei Geschosse und ein Staffelgeschoss. Terrassen im
Erdgeschoss, verglaste Balkone im Mittelteil und Dachterrassen 
vermitteln großzügig zwischen Innen und Außen. In einem eigenen
Baukörper sind das Bewohner-Café und zwei Gästewohnungen
untergebracht. Der begrünte Innenhof kann von allen genutzt
werden. Zwei Blockheizwerke liefern die Heizenergie der Anlage.
Architekturen // Mehrgenerationenhaus
"Grauenhafte Rezepte - Menschen wissen nicht, was schmeckt."
Foto: Bauverein Andernach
*) Schamanen am Reißbrett: Architekten sollen heutzutage auch heilen, gesellschaft-
liche Fehlentwicklungen korrigieren, buchstäblich den Grundstein für ein gutes Leben
legen. Sie sollen Stadtbilder reparieren, Bestandsbauten umnutzen und revitalisieren,
Menschen in Wohnprojekten und kommunikationsfördernden Grünzonen zusammen-
führen. Einem Berufsstand, der oft als abgehoben und selbstverliebt gilt, wächst damit
eine erhebliche Verantwortung zu. Seine Vertreter müssen sich ''erden'', mit den
Nutzern reden, nicht nur mit den Investoren. Im Andernacher Beispiel ist dies der Fall:
Der Architekt ist Aufsichtsrat der Genossenschaft, und sein Büro liegt in derselben         
Straße wie das Mehrgenerationenhaus - so kann er ständig überprüfen, ob das von   
ihm entworfene Quartier funktioniert.
»Mehrgenerationenhäuser sind wie soziale Bienenstöcke in unserer Gesellschaft.«
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen
»Wir haben uns bewusst für eine hochwertige Ausstattung entschieden und kreativen Ideen den Vorrang gegeben.«  Der Architekt Klaus Gesell
Fischpass
Bauspiele
Militärhistorisches Museum
Schlosshotel
Schiefermahlwerk + Kulturhaus
Universitätscampus
Evangelische Freikirche
Grimm-Zentrum
Regionale Schule
Bürohaus Dockland
Vinothek
Neue Synagoge
Hummerich-Halle
Food Hotel
Forum Confluentes
Mehrgenerationenhaus
Steinskulpturen-Museum
Lava Dome
Glashaus
 
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"Wahrlich, ich sage Euch: People meet in architecture!"*
Wohnen in der Wir-Form

"Unterm Strich zähl ich" - dieses Motto zählt, zumindest theoretisch,
nicht in einem Mehrgenerationenhaus! In den 450 Häusern dieser   
Art, die es zur Zeit in Deutschland gibt, leben Jung und Alt unter  
einem Dach, tauschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus. Wie in
einer Großfamilie helfen sich die Bewohner, feiern gemeinsam Feste, 
machen Ausflüge oder treffen sich zum Stammtisch. Nachbarn achten
auf Nachbarn - das erlaubt es den immer älter werdenden Menschen,
möglichst lange im eigenen Zuhause zu bleiben. Auf die unterschied-
lichen Wohnbedürfnisse der Generationen antworten unterschied-
liche Wohnungstypen. Ein bisschen zählt also doch das Ich...
"Aber Servietten und Zahnstocher find' ich geil, Kumpel!"